Analysen

KI-Suche in der Westschweiz: was sich diesen Sommer änderte

Xavier Mercier
18 min Lesezeit
Kurz gesagt

Seit April stellt Repliq Research den vier KI-Assistenten, die wir in der Westschweiz beobachten, dieselben Fragen. Diesen Sommer sind die Abstände deutlich grösser geworden: Google antwortet auf lokale Suchen immer öfter mit Unternehmenseinträgen und nennt rund ein Viertel weniger Firmen als im Frühling, ChatGPT zeigt dreimal weniger Quellen als Mitte August, obwohl seine Antworten um 22 % länger wurden, und Reddit ist aus seinen Zitaten fast verschwunden. Die beiden anderen Assistenten blieben in derselben Zeit viel stabiler. Am interessantesten ist vielleicht, was sich nicht verändert hat: Rund jedes zweite Zitat führt auf eine Website, die dem betroffenen Unternehmen nicht gehört, und bei einer so umkämpften Frage wie «welches ist die beste Schweizer Bank?» ist die meistzitierte Seite unseres Korpus die eines persönlichen Blogs.

Inhaltsverzeichnis12 sections

Diesen Sommer haben viele von uns einen KI-Assistenten benutzt, um eine Reise vorzubereiten, ein Hotel auszuwählen, ein Produkt zu vergleichen oder eine gute Adresse zu finden. Wo man früher Google geöffnet, mehrere Seiten durchgesehen und die Angaben gegeneinander geprüft hätte, stellt man die Frage heute direkt ChatGPT, Gemini oder Perplexity.

Und in vielen Fällen ist die Antwort gut genug, dass sich dieser Reflex festsetzt. Die Assistenten fassen zusammen, vergleichen, empfehlen und nehmen uns einen Teil der Recherche ab, die wir vor Kurzem noch selbst gemacht haben.

Diese Verschiebung im Verhalten ist bereits sichtbar. Viel weniger sichtbar ist, wie diese Assistenten ihre Antworten bauen.

Genau das verfolgen wir mit Repliq Research.

Seit April stellen wir zweimal im Monat knapp 200 identische Fragen an die vier Assistenten, die wir beobachten, direkt in deren öffentlichen Oberflächen. Zehn Branchen der Schweizer Wirtschaft, auf Französisch und für die Westschweiz, über 65'000 erfasste Zitate, mit einem einfachen Ziel: verstehen, welche Quellen sie verwenden, welche an Gewicht gewinnen und welche verschwinden.

Ich hatte mit eher langsamen Bewegungen gerechnet. Der Sommer zeigte das Gegenteil.

In vier Monaten hat Google seine Art geändert, auf lokale Suchen zu antworten. ChatGPT zitiert heute rund dreimal weniger Websites als im Frühling, und Reddit ist aus seinen Quellen fast verschwunden. Zwei andere Assistenten blieben in derselben Zeit bemerkenswert stabil.

Der Reflex setzt sich also schnell fest. Hinter den Antworten bewegen sich die Spielregeln aber noch stark.

Das zeigen unsere Messungen seit April.

Das Wichtigste in Kürze

  • Google AI Overview erscheint bei der letzten Messung auf 83 % der verfolgten Fragen, gegenüber 75 % im Frühling. Bei einer Frage nach dem Namen eines Unternehmens sind es 88 %.
  • Google schlägt heute rund ein Viertel weniger Firmen vor als im Frühling: 5 pro Antwort im April, 3,8 Anfang September. Von 44 verfolgten Fragen gehen 36 zurück.
  • Unternehmenseinträge nehmen im Google AI Mode deutlich mehr Platz ein: Anfang Juli keine einzige, seit Mitte August jede neunte Antwort. Google AI Overview zeigt bei denselben Fragen an denselben Tagen keine.
  • ChatGPT zeigt dreimal weniger Quellen als Mitte August, von 9 Websites pro Antwort auf 3,3, während seine Antworten um 22 % länger wurden.
  • Reddit fiel von 15 % der ChatGPT-Antworten Anfang August auf unter 1 % am 1. September. Bei Google blieb seine Präsenz praktisch unverändert.
  • Die Assistenten entwickeln sich nicht gleich. Bei mehreren Indikatoren bewegen sich zwei stark, während die beiden anderen stabil bleiben.
  • Von den knapp 8'000 seit April zitierten Domains greifen alle vier Assistenten weniger als 8 % auf. Zwei von drei kommen nur bei einem einzigen vor.
  • Die Spitze der Quellenrangliste bleibt erstaunlich stabil: die zwölf meistzitierten Domains stehen auf denselben Plätzen wie im Juli.
  • 50,4 % der Zitate führen auf Websites, die dem betroffenen Unternehmen nicht gehören.
  • Und jede Branche funktioniert anders: in der Bildung machen offizielle Websites 57 % der Zitate aus, die Schulen selbst nur 12 %.

Die KI-Antwort erscheint immer häufiger

Tippen Sie den Namen eines Unternehmens in Google ein, und meistens steht jetzt ein verfasster Kasten über den Links. Bei unseren Fragen ist Google AI Overview von 75 % der Fälle im Frühling auf 83 % bei der letzten Messung gestiegen.

Am meisten interessiert hat mich der Abstand zwischen den Fragetypen. Bei einer Branchenfrage, etwa welche Krankenkasse man wählen soll, erscheint der Kasten in 70 % der Fälle. Bei einer Frage nach dem Namen eines Unternehmens in 88 %.

Wer Ihre Firma über ihren Namen sucht, liest also in fast neun von zehn Fällen einen verfassten Text, bevor er auf Ihre eigenen Links stösst. Dieser Text stützt sich auf Quellen, und die Hälfte davon kommt nicht von Ihnen.

Ein Wort, bevor diese Zahl die Runde macht: Unsere Fragen sind gerade deshalb ausgewählt, weil sie eine KI-Antwort auslösen. Die Quote lässt sich also nicht mit Messungen über den gesamten Verkehr einer Suchmaschine vergleichen, die eher bei 25 % liegen.

Google antwortet immer öfter mit Einträgen

Nehmen wir eine sehr konkrete Suche: eine Werkstatt finden, die in La Chaux-de-Fonds eine Uhr revidiert.

Im Frühling antwortete Google noch so, wie man es von einem Assistenten erwartet: ein paar Werkstätten, eine kurze Beschreibung, ihre Spezialität, manchmal ein Detail, das sie unterscheidet.

Curtit Swiss Watches galt als Familienhaus mit langer Geschichte. Le Collectionn'Heure für die Restaurierung alter Uhren. Winiger Horloger für seine Erfahrung mit historischer Uhrmacherei.

Vier Monate später fällt die Antwort auf dieselbe Frage ganz anders aus.

Statt Text zeigt Google vor allem Unternehmenseinträge aus Google Maps: Name, Bewertung, Anzahl Rezensionen, Öffnungszeiten und Schaltflächen für Anruf und Route.

Google AI Mode antwortet auf «beste Uhrmacherwerkstätten in La Chaux-de-Fonds»: im April mit einer verfassten Liste, die Curtit Swiss Watches, Le Collectionn'Heure, Juval Horlogerie, Winiger Horloger und Oscillant nennt; im September mit Unternehmenseinträgen aus Google Maps samt Bewertung, Öffnungszeiten und Anrufschaltfläche.
Dieselbe Frage, vier Monate auseinander. Links fünf Werkstätten, beschrieben nach dem, was sie können. Rechts Unternehmenseinträge: Bewertung, Kategorie, Öffnungszeiten, Route.

Von Repliq Research erfasste Antworten vom 18. April und 1. September 2026, im Text unverändert wiedergegeben. Die Vorschaubilder sind nicht wiedergegeben.

Der Unterschied mag ästhetisch wirken. Er ist es nicht.

Am 1. Juli erzeugte keine unserer Fragen dieses Format. Am 1. August eine von fünfzig. Seit dem 15. August eine von neun. Bei lokalen Suchen nach einer Dienstleistung, einem Handwerker, einer Garage, einer Werkstatt, liegt der Anteil deutlich höher als über unsere zehn Branchen hinweg. Das erstaunt wenig: Niemand erwartet einen Unternehmenseintrag, wenn er fragt, welche Bank er wählen soll.

Anteil der Antworten von Google AI Mode mit einem Unternehmenseintrag aus Google Maps im Korpus der Beobachtungsreihe: 0 % am 1. Juli 2026, 2,2 % am 1. August, 11,5 % am 15. August und am 1. September. Google AI Overview bleibt über den ganzen Zeitraum bei 0 %.
Google AI Overview dient als Kontrolle: dieselben Fragen am selben Tag, kein einziger Eintrag. Die Änderung kommt also vom Produkt, nicht von unseren Fragen.

Messungen Repliq Research, 184 bis 260 ausgewertete Antworten pro Messpunkt.

Gleichzeitig sinkt die Zahl der vorgeschlagenen Unternehmen: 5 pro Antwort im April, 3,8 Anfang September. Antworten ganz ohne Firmennennung stiegen von 4 % auf 10 %.

Ein Teil dieses Rückgangs ist wohl mechanisch. Eine Reihe von Einträgen enthält schlicht weniger Namen als ein Absatz, in dem der Assistent eine Liste ausbreiten kann.

Der Formatwechsel hat aber eine zweite Folge: Was Zugang zur Antwort verschafft, ist nicht mehr ganz dasselbe.

In einer verfassten Antwort konnte eine Werkstatt auftauchen, weil eine Seite genau erklärte, was sie kann. In einem lokalen Eintrag wiegen die gewählte Kategorie, die Adresse, die Öffnungszeiten und die Angaben zum Betrieb zwangsläufig schwerer.

So kann heute eine Markenmanufaktur, die für Private gar keine Uhren repariert, neben einem Quartieruhrmacher erscheinen.

Für ein lokales Unternehmen ist der Google-Eintrag damit nicht mehr nur eine Ergänzung zur Website. Bei manchen Suchen wird er direkt zum Teil der Antwort.

Die Assistenten zeigen weniger Quellen

Die zweite Veränderung des Sommers fällt beim blossen Benutzen kaum auf: die Zahl der Websites, die unter den Antworten als Quellen erscheinen.

Zwischen dem 15. August und dem 1. September fiel ChatGPT von 9 zitierten Websites pro Antwort auf 3,3. Google AI Mode fiel von 8,5 auf 2,7.

Gleichzeitig wurden die Antworten von ChatGPT um 22 % länger.

Der Assistent schreibt also mehr und zeigt dabei deutlich weniger Websites.

Bei einzelnen Fragen ist der Wechsel besonders deutlich.

Nehmen wir die Frage nach der besten Krankenkasse für einen Grenzgänger, der in Genf arbeitet. Am 15. August zeigte ChatGPT 28 Domains: Vergleichsdienste, Fachforen, Genfer Presse, Versicherer und Verwaltungsseiten.

Siebzehn Tage später waren es noch zwei: ge.ch und priminfo.admin.ch.

Die Antwort selbst war länger geworden: 2'644 Zeichen am 15. August, 3'420 am 1. September.

Die von ChatGPT unter der Antwort auf «beste Krankenkasse für einen Grenzgänger in Genf» zitierten Websites: 28 Domains am 15. August 2026, darunter fr.comparis.ch, ge.ch, tdg.ch, helsana.ch und Grenzgängerforen; 2 Domains am 1. September, ge.ch und priminfo.admin.ch.
Zwei Messungen, siebzehn Tage Abstand, dieselbe Frage. Die Antwort wird länger, während die Liste der Websites von 28 auf 2 fällt.

Messungen Repliq Research vom 15. August und 1. September 2026.

Daraus zu schliessen, der Assistent nutze für seine Antwort nur noch zwei Quellen, wäre falsch. Wir messen, was öffentlich angezeigt wird, nicht alles, was im Hintergrund passiert.

Für den Betreiber einer Website ist der Unterschied trotzdem real: Unter der Antwort gibt es schlicht viel weniger sichtbare Plätze.

Auch hier folgen nicht alle Assistenten derselben Bewegung. Google AI Overview und Perplexity zeigen heute ungefähr gleich viele Quellen wie im Juli.

Durchschnittliche Zahl verschiedener Websites, die unter einer Antwort zitiert werden, vom 1. Juli bis 1. September 2026: ChatGPT fällt zwischen dem 15. August und dem 1. September von 8,1 auf 3,3 und Google AI Mode von 8,3 auf 2,8, während Perplexity bei 14 und Google AI Overview bei 4,4 bleiben.
Vier Assistenten, dieselben Fragen, dieselben Tage. Zwei stürzen ab, zwei bewegen sich nicht.

Messungen Repliq Research.

Ein allgemeines Phänomen, das die ganze KI-Suche erfasst, wird damit unwahrscheinlich. Was wir beobachten, sieht eher nach Produktentscheiden aus, die jeder Assistent für sich trifft.

Reddit ist bei ChatGPT fast verschwunden

Reddit ist wohl das beste Beispiel dafür, wie schnell diese Gleichgewichte kippen können.

Anfang August erschien Reddit in 15 % der von uns verfolgten ChatGPT-Antworten unter den Quellen. Mitte August waren es 6 %. Am 1. September weniger als 1 %.

Anteil der ChatGPT-Antworten, die mindestens eine Reddit-Seite zitieren: 14,7 % am 1. Juli 2026, 15,2 % am 1. August, 6,3 % am 15. August, 0,8 % am 1. September.
Vier Messungen, zwei Monate. Der Umschwung dauert drei Wochen.

Messungen Repliq Research.

Ein französisches Messtool für den dortigen Markt hat im selben Zeitraum dieselben drei Etappen beobachtet. Zwei getrennte Messungen in zwei Ländern zeigen also eine sehr ähnliche Bewegung.

Bei Google blieb die Präsenz von Reddit dagegen stabil.

Die Lehre lautet weniger «Reddit zählt nicht mehr» als «bauen Sie keine ganze Strategie auf die vermutete Vorliebe eines Assistenten».

Noch vor wenigen Wochen hiess es schnell, man müsse Reddit bearbeiten, weil ChatGPT die Plattform so oft zitiere. Zu einem bestimmten Zeitpunkt stimmte das.

Sechs Wochen später sieht die Lage schon ganz anders aus.

Die Modelle entwickeln sich, ihre Suchsysteme mit ihnen, und die Liste der sichtbaren Quellen kann sehr schnell wechseln. Eine Taktik kann also richtig sein, ohne zur dauerhaften Regel zu werden.

Woher die Antworten kommen, und vor allem was sich nicht bewegt hat

Die Veränderungen des Sommers fallen auf, weil man sie leicht sieht: weniger Quellen hier, mehr Einträge dort.

Nützlicher für ein Unternehmen finde ich aber gerade den Teil, der sich seit April kaum bewegt hat: die Zusammensetzung der Quellen.

Firmenwebsites machen 28,6 % unserer Zitate aus. Dann folgen Vergleichsdienste und Verzeichnisse mit 16,2 %, offizielle Websites mit 14,2 %, unabhängige Blogs mit 10 %, die Schweizer Presse mit 6 % und Foren mit 5,1 %.

Insgesamt führen 50,4 % der Zitate auf Websites, die dem betroffenen Unternehmen nicht gehören.

Verteilung der 65'000 in der Westschweiz erfassten Zitate nach Website-Typ: Markenwebsites 28,6 %, Vergleichsdienste und Verzeichnisse 16,2 %, institutionell und offiziell 14,2 %, unabhängige Blogs 10 %, Schweizer Presse 6 %, Foren 5,1 %.
Die eigene Website der Marke kommt auf weniger als drei von zehn Zitaten. Der Rest entscheidet sich bei Dritten.

Beobachtungsreihe Repliq Research, Ausgabe August 2026.

Die Zahl ist wichtig, weil sie an etwas Einfaches erinnert: Was ein Assistent über Ihr Unternehmen erzählt, hat er nicht zwingend auf Ihrer eigenen Website gefunden.

Eine falsche, veraltete oder unglücklich formulierte Angabe kann gut von einem Vergleichsdienst, einem Medium, einem Verzeichnis oder einem unabhängigen Artikel stammen. Nur die eigene Website zu korrigieren, reicht daher nicht immer.

Die Quellen bleiben ausserdem stark lokal.

61,8 % der Zitate stammen aus Schweizer Quellen. Domains auf .ch haben klar die Mehrheit, gegenüber 28,8 % internationalen und 6 % französischen Websites.

Bei Fragen, die auf Französisch für den Westschweizer Markt gestellt werden, stützen sich die Assistenten also weitgehend auf ein Schweizer Ökosystem.

Die Presse macht 6 % der Zitate aus, mit blick.ch an der Spitze des Zeitraums, vor 24heures.ch, watson.ch, rts.ch und letemps.ch.

Unabhängige Blogs wiegen mit 10 % der Zitate allerdings schwerer als die Presse.

Die zehn meistzitierten Domains über das gesamte Korpus:

#WebsiteTypZitateAnteil
1reddit.comForen und Bewertungen1'2621,9 %
2youtube.comForen und Bewertungen9401,4 %
3fr.comparis.chVergleichsdienst9351,4 %
4moneyland.chVergleichsdienst8161,3 %
5google.comMarkenwebsite6761,0 %
6blick.chSchweizer Presse5070,78 %
7facebook.comForen und Bewertungen4370,67 %
8compassurance.chVergleichsdienst4290,66 %
924heures.chSchweizer Presse3940,61 %
10bonus.chVergleichsdienst3590,55 %

Ein weiterer Punkt: Die Spitze dieser Rangliste bewegt sich kaum.

Die zwölf meistzitierten Domains stehen in exakt derselben Reihenfolge wie im Juli. Erst auf Platz dreizehn kommt die erste Änderung.

Auch die Schweizer Presse erneuert sich wenig. Unter den 26 erfassten Titeln ist seit Juli kein neues Medium in unser Korpus gekommen.

Sieben Titel sind dagegen aus den ersten 200 Quellen gefallen: europastar.ch, agefi.com, rhonefm.ch, iamexpat.ch, lemanbleu.ch, presseportal.ch und arcinfo.ch.

Das sind meist Fach- oder Regionalmedien. Wenn die Zahl der sichtbaren Quellen enger wird, trifft es folgerichtig zuerst die selten zitierten Akteure.

Eine «magische Website» gibt es allerdings nicht.

Die zehn ersten Domains machen zusammen nur 10,4 % der Zitate aus, die ersten hundert 34,3 %. Für 59,7 % der Zitate braucht es 500 Domains, während unser Korpus knapp 8'000 zählt.

Fünf oder zehn grosse Websites zu bearbeiten, genügt also nicht, um überall präsent zu sein.

Auch der Seitentyp zählt viel. 37,1 % der zitierten Seiten sind redaktionelle Inhalte, 10,4 % Vergleiche und 8,6 % Ranglisten. Produktseiten machen nur 13,4 % aus.

Ein Ergebnis verdient aus meiner Sicht besondere Aufmerksamkeit: 19 % der meistzitierten Seiten enthalten eine Passage, die wir wörtlich in der Antwort des Assistenten wiederfinden.

Eine auf einer Seite veröffentlichte Formulierung kann also unverändert übernommen werden und in einer zusammenfassenden Antwort landen, ohne dass die Leserschaft ihre Herkunft kennt.

Die Seiten, die Autorität haben

Steigt man von der Domain auf die einzelne Seite hinunter, wird die Rangliste noch interessanter.

Es sind nicht zwingend die grössten Marken, die dominieren. Es sind oft einzelne, sehr präzise Artikel, manchmal von einer einzigen Person veröffentlicht.

#SeiteWebsiteZitate
1Meilleure banque Suisse (comparatif 2026)mustachianpost.com106
2Top 5 des caisses maladie les plus avantageusescompassurance.ch74
3Comparatif d'assurance maladie 2026fr.comparis.ch67
4Quelle est la meilleure banque suisse en 2026 ?thepoorswiss.com62
5Quelle est la meilleure assurance maladie en Suisse ?assurance-genevoise.ch60
6Meilleur courtier suisse : 6 facteurs pour choisirschweizerfinanzblog.ch51
7Top 10 des banques en ligne en Suissehellosafe.ch48

Drei der sieben meistzitierten Seiten sind persönliche Finanzblogs.

Und in unserem Korpus wird bei Fragen zur Wahl einer Bank ein Artikel eines Bloggers unter Pseudonym öfter zitiert als jede Seite einer Schweizer Bank.

Das ist wohl eines der sprechendsten Beispiele dafür, was die KI-Suche verändert.

Wenn jemand fragt «welches ist die beste Bank?», sucht der Assistent naheliegenderweise Inhalte, die mehrere Banken vergleichen. Eine Bank kann diesen Vergleich schwerlich selbst glaubwürdig schreiben.

Die Empfehlungsmacht verschiebt sich damit teilweise zu jenen, die vergleichen, einordnen und erklären, nicht nur zu jenen, die das Produkt verkaufen.

Jede Branche hat ihre eigenen Referenzquellen

Ein einziges Rezept über alle Branchen gibt es ebenso wenig.

Bildung, Immobilien, Gastronomie und Bankwesen stützen sich auf völlig verschiedene Quellenökosysteme.

BrancheWer die Zitate dominiertMeistzitierte Quelle
Bildungoffizielle Websites 57 %, Marken 12 %orientation.ch
ImmobilienVergleichsdienste 41 %immoscout24.ch
TechnologieVergleichsdienste 36 %reddit.com
KrankenversicherungVergleichsdienste 35 %, offiziell 18 %fr.comparis.ch
MobilitätMarken 38 %, offiziell 29 %sbb.ch
DetailhandelSchweizer Presse 24 %rappn.ch
GastronomieForen 20 %, Verzeichnisse 31 % der Seitentripadvisor.fr
BankwesenMarken 34 %, Vergleichsdienste 22 %moneyland.ch
UhrmachereiMarken 28 %, Presse 12 %youtube.com
ReisenMarken 35 %, Schweizer Presse 17 %ebookers.fr

Zwei Beispiele machen den Unterschied deutlich.

In der Bildung stammen 57 % der Zitate von offiziellen Websites und nur 12 % von den Schulen selbst. Für eine Privatschule ändert mehr Publikation auf der eigenen Website also nicht zwingend viel, wenn die Assistenten ihre Antworten aus institutionellen Quellen bauen.

Zusammensetzung der Zitate in der höheren Bildung in der Westschweiz: institutionelle und offizielle Websites dominieren klar, die Websites der Schulen selbst machen nur rund ein Achtel der Zitate aus.
In der höheren Bildung kämpft eine Schule, die nur ihre eigene Website bearbeitet, um ein Achtel des Feldes.

Beobachtungsreihe Repliq Research, Ausgabe August 2026.

In der Gastronomie ist es fast umgekehrt: Foren und Bewertungen machen 20 % der Zitate aus, und knapp ein Drittel der zitierten Seiten sind Verzeichniseinträge.

Hier kann eine saubere Präsenz auf Tripadvisor, Google oder anderen Plattformen so viel zählen wie ein neuer Artikel auf der eigenen Website, manchmal mehr.

Derselbe Kontrast zeigt sich zwischen Mobilität und Immobilien.

In der Mobilität machen Marken und öffentliche Websites zusammen rund zwei Drittel der Zitate aus, Vergleichsdienste dagegen nur 9 %. In den Immobilien gehen umgekehrt vier von zehn Zitaten an Vergleichsdienste.

Die Folge ist einfach: Bevor man Inhalte produziert, schaut man besser zuerst, wer in der eigenen Branche Autorität hat.

Ein neuer Blogartikel hat nicht denselben Wert, wenn die Assistenten sich vor allem auf Comparis, Reddit, eine Verwaltung oder Google Maps stützen.

Es gibt nicht «die» KI

Das habe ich zu Beginn der Beobachtungsreihe wohl am meisten unterschätzt.

Man spricht gern von «Sichtbarkeit in der KI», als gäbe es eine einzige Maschine mit ein paar gemeinsamen Regeln.

Unsere Messungen zeigen eher vier Produkte, die sich je in ihrem eigenen Tempo entwickeln.

Das Korpus zählt knapp 8'000 Domains. Weniger als 8 % davon werden von allen vier Assistenten zitiert. Zwei von drei kommen nur bei einem einzigen vor.

Verteilung der in der Westschweiz zitierten Domains nach Zahl der Assistenten, die sie aufgreifen: 8 % bei allen vier, 10 % bei dreien, 16 % bei zweien, 66 % bei einem einzigen.
Die gemeinsame Schnittmenge der vier Assistenten ist schmal. Alles andere gehört einem einzelnen Assistenten, manchmal zweien.

Messungen Repliq Research, April bis September 2026.

Wer bei ChatGPT gut gefunden wird, weiss deshalb nichts darüber, was bei Google passiert, und umgekehrt.

Auch ihre Quellengewohnheiten gehen auseinander.

Nach den Markenwebsites wenden sich ChatGPT und Perplexity stärker den Vergleichsdiensten zu, die 21 % beziehungsweise 19,9 % ihrer Zitate ausmachen.

Die beiden Google-Oberflächen geben offiziellen Quellen mehr Raum, mit 15,9 % und 17,4 %.

Für ein Unternehmen macht das die Gesamtdurchschnitte ziemlich trügerisch.

Zu sagen, eine Marke sei «zu 60 % in der KI sichtbar», klingt praktisch, verdeckt aber teils sehr grosse Unterschiede zwischen den Assistenten.

Man schaut sie besser einzeln an.

Und akzeptiert, dass eine Methode, die im September gut funktioniert, ein paar Monate später einen Teil ihres Werts verlieren kann.

Was das für ein Westschweizer KMU ändert

Das kann schnell technisch werden. In der Praxis merke ich mir vier Dinge.

Halten Sie Ihren Unternehmenseintrag aktuell. Die richtige Kategorie, Öffnungszeiten, Adresse, angebotene Leistungen und neue Bewertungen werden besonders wichtig, sobald Google mit lokalen Einträgen statt mit Text antwortet.

Schauen Sie, was anderswo über Sie gesagt wird. Rund jedes zweite Zitat in unserem Korpus stammt von einer Website, die dem Unternehmen nicht gehört. Vergleichsdienste, Verzeichnisse, Medien, Branchenplattformen oder offizielle Stellen wirken damit direkt darauf ein, wie eine KI Sie darstellt.

Veröffentlichen Sie, was Sie wirklich erklären können. Ein Uhrmacher, der zeigt, warum ein Werk nach einer schlechten Revision stehen bleibt, bringt etwas, das ein weiterer Artikel «fünf Tipps zur Uhrenpflege» nicht bringt. Je mehr generische Inhalte entstehen, desto interessanter wird die echte Erfahrung.

Messen Sie Assistent für Assistent. Sichtbarkeitsrate, Share of Voice gegenüber den Mitbewerbern, das Sentiment zur Marke und die Position in den Empfehlungen ergeben bereits ein brauchbares Bild, solange man nicht alles in einen Durchschnitt wirft.

Werbung kommt, für Schlüsse ist es zu früh

Zum Schluss noch ein Punkt aus dem Umfeld, den ich interessant finde.

Während wir diese Veränderungen beobachteten, haben OpenAI und Google begonnen, ihre Werbeformate rund um die KI-Erlebnisse schrittweise zu öffnen.

OpenAI hat Anzeigen in ChatGPT in den Vereinigten Staaten gestartet und danach seinen Kampagnenmanager auf weitere Märkte ausgeweitet. Google testet seinerseits Anzeigen im AI Mode bei einzelnen amerikanischen Konten.

Die Schweiz gehört vorerst zu keiner dieser Öffnungen.

Es wäre verlockend, beide Phänomene zu verbinden: weniger sichtbare organische Plätze auf der einen Seite, bald bezahlte Plätze auf der anderen.

Unsere Daten erlauben das nicht.

Wir beobachten eine zeitliche Koinzidenz, mehr nicht.

Für ein Schweizer Unternehmen gibt das trotzdem einen Hinweis darauf, wie man sich vorbereitet.

Wenn die Werbung kommt, wird sie wohl neben Antworten stehen, die weiterhin aus Quellen, Einträgen, Vergleichsdiensten, Medien und bestehenden Inhalten gebaut werden.

Eine gute organische Präsenz bleibt damit die Basis: korrekte Angaben, ein gepflegter lokaler Eintrag, Drittquellen, die zutreffend über das Unternehmen schreiben, und wirklich nützliche Inhalte.

Bezahlte Plätze ergänzen diese Basis danach für einzelne Bedürfnisse.

Heute in einen Werbekanal zu investieren, den es in der Schweiz noch nicht gibt, wäre verfrüht.

Auf seine Ankunft zu warten, um mit dem Rest zu beginnen, wäre es genauso.

Methode

Wir verfolgen knapp 200 feste Fragen über zehn Branchen der Schweizer Wirtschaft, seit April zweimal im Monat gestellt, direkt in den öffentlichen Oberflächen von ChatGPT, Google AI Mode, Google AI Overview und Perplexity, nicht über deren API. Alle Fragen sind auf Französisch formuliert und betreffen die Westschweiz. Die hier gezeigten Ergebnisse gelten also nicht ohne Weiteres für die Deutschschweiz, wo Fragestellung und Quellenlandschaft anders aussehen. Die Zahlen dieses Artikels beziehen sich auf die Ausgabe August 2026 des Observatoriums: rund 65'000 Zitate, knapp 8'000 Domains und 25'000 verschiedene Seiten.

Um die Zahl der empfohlenen Unternehmen zu messen, zählen wir nur jene, die der Leserschaft tatsächlich als Wahl vorgeschlagen werden. In einer Formulierung wie «Juval Horlogerie, offizielles Servicezentrum von Omega» lässt sich Juval Horlogerie wählen, nicht Omega.

Die hier gezeigten Vergleiche sind gepaart: dieselbe Frage, derselbe Assistent, von einer Messung zur nächsten.

Grenzen

Unsere Messungen zeigen, was die Assistenten tun, nicht warum sie es tun. Wir wissen nicht, warum Google einzelne Antwortformate geändert hat und warum ChatGPT heute weniger Quellen anzeigt.

Wir können auch nicht genau trennen, welcher Teil des Rückgangs bei den genannten Unternehmen auf den Formatwechsel selbst zurückgeht: Eine Reihe von Einträgen ist mechanisch kürzer als eine verfasste Antwort.

Einen Unternehmenseintrag erkennen wir am Routenlink, den Google unter jede Karte setzt, dem einzigen Marker, der in allen Einträgen vorkommt und in einer verfassten Antwort fehlt. Der Anteil, den wir veröffentlichen, gilt für alle zehn Branchen, von denen viele keine lokalen Suchen sind. Er liegt damit tiefer als das, was ein Quartiergeschäft bei seinen eigenen Anfragen beobachten würde.

Die Daten sind öffentlich und werden monatlich aktualisiert: https://www.gorepliq.com/fr/observatoire/sources-romandie

Häufig gestellte Fragen

Welche Websites zitiert die KI in der Westschweiz am häufigsten?

Von den 65'000 Zitaten, die wir seit April erfasst haben, liegt reddit.com mit 1,9 % der Zitate an der Spitze, vor youtube.com, fr.comparis.ch und moneyland.ch. Keine Website dominiert: Die zehn ersten Domains wiegen zusammen nur 10,4 % der Zitate, und für 59,7 % braucht es deren 500. Die Quellen sind zudem sehr lokal, mit 61,8 % Schweizer Zitaten.

Warum erscheint mein Unternehmen in ChatGPT nicht, obwohl es bei Google gut läuft?

Weil es zwei verschiedene Produkte mit verschiedenen Quellen sind. Von den knapp 8'000 seit April zitierten Domains greifen alle vier beobachteten Assistenten weniger als 8 % auf, und zwei von drei kommen nur bei einem einzigen vor. ChatGPT und Perplexity gehen zuerst zu den Vergleichsdiensten, die beiden Google-Oberflächen zu den offiziellen Quellen. Eine gute Position beim einen sagt also nichts über den anderen.

Soll man die eigene Website oder den Google-Eintrag bearbeiten, um von der KI empfohlen zu werden?

Beides, aber für verschiedene Fragen. Bei lokalen Suchen antwortet Google immer öfter mit Unternehmenseinträgen aus Google Maps: Kategorie, Adresse und Öffnungszeiten des Eintrags wirken dann direkt auf die Präsenz in der Antwort. Bei Vergleichs- und Ratgeberfragen zählen die Inhalte, und 50,4 % der Zitate gehen an Websites, die dem Unternehmen nicht gehören.

Hilft es, Blogartikel zu veröffentlichen, um von der KI zitiert zu werden?

Das hängt ganz von der Branche ab. In der höheren Bildung stammen 57 % der Zitate von offiziellen Websites und nur 12 % von den Schulen: Ein weiterer Artikel auf der eigenen Website ändert dort wenig. In der Gastronomie dominieren Foren und Verzeichnisse. Im Bankwesen ist die meistzitierte Seite unseres Korpus ein Vergleich eines unabhängigen Bloggers, häufiger zitiert als jede Seite einer Bank. Schauen Sie zuerst, wer in Ihrer Branche Autorität hat.

Wie erfährt man, ob eine KI über das eigene Unternehmen spricht?

Indem man den Assistenten regelmässig dieselben Fragen stellt und festhält, was sie antworten. Eine einzelne Messung sagt fast nichts, weil diese Maschinen probabilistisch sind und ihre Einstellungen schnell wechseln: Reddit fiel innerhalb eines Monats von 15 % auf unter 1 % der ChatGPT-Antworten. Vier Indikatoren genügen, um die Entwicklung zu verfolgen: Sichtbarkeitsrate, Share of Voice gegenüber den Mitbewerbern, das Sentiment zur Marke und die Position in der Antwort, gelesen Assistent für Assistent.

Werden KI-Assistenten die Suchmaschinenoptimierung ersetzen?

Nichts in unseren Messungen deutet darauf hin. Die Assistenten stützen sich auf bestehende Webseiten, und Inhalte, die beim Entscheiden helfen, Vergleiche, Ranglisten, Ratgeber, machen die Mehrheit der zitierten Seiten aus. Die Arbeit wechselt das Ziel, nicht die Natur: Es geht nicht mehr nur darum, oben in einer Linkliste zu stehen, sondern in einer Antwort aufgegriffen zu werden, die aus fremden Quellen verfasst wird.

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